Sobald du mich kennst, hast du mich verloren.
Frage nicht, warum ich dich dazu habe auserkoren.
Vielleicht, weil du mir ein offenes Ohr geschenkt hast
als du meine Verzweiflung und den Kummer sahst?
Anfangs nahm ich dankbar deine Hilfe an,
endlich jemand, dem ich vertrauen kann.
Doch mit jedem Geheimnis, das du mehr von mir kanntest,
mit jedem Trost und Ratschlag, den du mir nanntest,
rückte ich ein Stückchen weiter von dir ab,
misstraute dir obwohl ich vorher geglaubt hab.
Tag für Tag und Wort für Wort zog ich mich zurück,
sah in dir, mein Freund, nur noch Übel anstatt Glück.
Diese mögliche Macht über mich machte mir Angst:
Was wäre gewesen, wenn du an mein Innerstes gelangst?
Hättest du mich akzeptiert wie ich bin -
auch alle Gedanken und Gefühle in mir drin?
Ich hatte nicht den Mut das abzuwarten,
spielte von da an gegenüber dir mit offenen Karten:
fällte mit meinem Verhalten mein eigenes Urteil
und trieb damit zwischen uns einen hölzernen Keil.
Vielleicht magst du mich nach meinen Gründen fragen.
Ich kann versuchen sie dir zu sagen.
Vielleicht hast du es ja sogar gemerkt,
dich nur nicht dagegen gewehrt?
Ich hab mich ganz von dir abhängig gemacht,
so dass du über mich hattest eine vollkommene Macht.
Du magst sagen, die hättest du niemals genutzt.
Doch obwohl mir das eigentlich voll war bewusst,
konnte ich dir nicht vertrauen,
nicht auf deine lieb gemeinten Worte bauen. |